Projekte

Nach­haltiger fliegen, bauen und heizen: mit dem Real­labor Westküste 100.

In Schleswig-Holstein soll mit dem Projekt „Westküste 100“ eine regionale Wasserstoffwirtschaft im industriellen Maßstab entstehen. Hier treffen eine starke Windenergieregion sowie ausgezeichnete geologische Speicherbedingungen auf innovative Unternehmen, die die Zukunft aktiv gestalten und einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele liefern wollen.  

Für „Westküste 100“ arbeiten branchenübergreifend Unternehmen und Institutionen zusammen: EDF Deutschland, Holcim Deutschland, OGE, Ørsted, Raffinerie Heide, Stadtwerke Heide und thyssenkrupp Industrial Solutions - gemeinsam mit der Entwicklungsagentur Region Heide und der Fachhochschule Westküste.

Verzahnung unterschiedlicher Stoffkreisläufe für grünen Wasserstoff

Die Projektgemeinschaft will aus Offshore-Windenergie grünen Wasserstoff produzieren und die dabei entstehende Abwärme nutzen. Im Anschluss soll der Wasserstoff sowohl für die Produktion klimafreundlicher Treibstoffe für Flugzeuge genutzt als auch in Gasnetze eingespeist werden. Bei der Treibstoffherstellung ohne fossile Brennstoffe wird unvermeidbares CO2 aus der regionalen Zementproduktion für den Herstellungsprozess eingesetzt. Das Besondere und Innovative an diesem Reallabor-Projekt ist die Verzahnung unterschiedlicher Stoffkreisläufe innerhalb einer bereits bestehenden regionalen Infrastruktur.

Ausgezeichnet im Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“

Mit diesem Forschungs- und Entwicklungsansatz gehören wir zu den Gewinnern im Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Reallabore sollen den Technologie- und Innovationstransfer von der Forschung in die Praxis beschleunigen. Technische und nicht-technische Ideen und Innovationen werden hier unter realen Bedingungen und im industriellen Maßstab entwickelt und erprobt. Unser Projekt wird nun über mehrere Jahre durch das Bundeswirtschaftsministerium gefördert.

Nachhaltiges Geschäftsmodell

Jürgen Wollschläger, Geschäftsführer der Raffinerie Heide und Projektkoordinator: “Wir haben im Projektteam Reallabor Westküste 100 eine klare Vision: Die Partner setzen auf langfristige Kooperationen, die von der Erzeugung von grünem Strom bis zur Produktion von synthetischen Kohlenwasserstoffen reichen und somit den Nukleus für nachhaltige Geschäftsmodelle im Bereich der Energiewende und Dekarbonisierung bilden”.

Projektdetails

Innerhalb des fünfjährigen Projektzeitraums soll zunächst eine Elektrolyseanlage mit einer Leistung von 30 Megawatt installiert werden. Sie liefert Erkenntnisse zu Betrieb, Wartung, Steuerung und Netzdienlichkeit der Anlagen, um diese in einen nächsten Skalierungs-Schritt zu überführen. Das könnte beispielsweise eine Elektrolyse-Anlage in der Größenordnung von 700 MW sein, für die der Strom durch einen Offshore-Windpark erzeugt wird.

Der Ansatz des Reallabors Westküste 100 ist ganzheitlich

Die mit Hilfe von Windkraft erzeugte, regenerative Energie wird genutzt, um an der Raffinerie Heide durch Elektrolyse grünen Wasserstoff zu erzeugen. Dieser wird in ein neu zu bauendes Wasserstoffnetz eingespeist, das die Raffinerie Heide, den Wasserstoffspeicher, eine Wasserstoff-Tankstelle und das bestehende Erdgasnetz der Stadtwerke Heide verbindet. Dabei wird Wasserstoff in das bestehende Erdgasnetz der Stadtwerke Heide einspeist. Als Wasserstoffspeicher wird eine Kaverne dienen, die es dem Projekt ermöglicht, trotz der fluktuierenden Windenergie einen kontinuierlichen Wasserstoffstrom sicherzustellen.

Chancen für die Dekarbonisierung ganzer Industriezweige

Ebenfalls wird geprüft, ob der Sauerstoff, der bei der Elektrolyse ebenfalls produziert wird, in den Verbrennungsprozess eines lokalen Zementwerkes eingespeist werden kann. Damit könnten die Stickoxid-Emissionen (NOX) des Werkes deutlich reduziert werden. Das im Zementwerk entstandene Kohlendioxid (CO2) soll im Gegenzug als Rohstoff zusammen mit

dem grünen Wasserstoff in der Raffinerie zur Herstellung von synthetischen Kohlenwasserstoffen eingesetzt werden. Etwa als Flugkraftstoff oder chemischer Grundstoff wie Methanol. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zur Dekarbonisierung der Zementindustrie. Im Flugsektor – dem am stärksten wachsende Verkehrssparte in Deutschland und der EU -  wäre ein synthetischer grüner Kraftstoff ein Durchbruch bei der Dekarbonisierung.
Ein zusätzlicher Pluspunkt: Die entstehende Prozesswärme wird in einem bestehenden und weiter ausgebauten Wärmenetz ausgekoppelt und beispielsweise in einem Gewerbepark genutzt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.westkueste100.de.